Android-Backup wird flexibel: Apps einzeln sichern
Wer regelmäßig sein Android-Smartphone wechselt oder nach einem Geräteproblem schnell wieder startklar sein will, kennt das Dilemma: Das automatische Google-Backup sichert zwar viele Daten, aber eben auch vieles, was du gar nicht brauchst. Oder es fehlen ausgerechnet die App-Daten, die dir wirklich wichtig sind. Genau das ändert sich jetzt. Google rollt ein flexibles Backup-System aus, das es erlaubt, Apps gezielt und einzeln für die Datensicherung auszuwählen. Aktuell allerdings noch nicht für alle – wir zeigen dir, wer die Funktion schon nutzen kann und wie sie funktioniert.
Was bisher am Google-Backup nervte
Das bisherige Backup-System von Android war ein klassisches Alles-oder-nichts-Prinzip. Entweder du hattest die automatische Sicherung komplett aktiviert – dann wurden alle kompatiblen Apps und deren Daten in deinem Google-Konto gespeichert – oder du hattest sie deaktiviert und im Ernstfall gar keinen Schutz. Eine granulare Steuerung, also die Möglichkeit zu sagen „diese App ja, jene App nein“, gab es für normale Nutzer schlicht nicht.
Das führte zu mehreren Problemen in der Praxis:
- Verschwendeter Cloud-Speicher: Apps, die du schon lange nicht mehr nutzt oder die ihre Daten ohnehin in der eigenen Cloud halten, haben unnötig Backup-Kontingent belegt.
- Unvollständige Wiederherstellung: Nicht alle Apps unterstützen das Google-Backup gleich gut. Manche speichern gar keine Daten, andere nur einen Bruchteil.
- Keine Priorisierung möglich: Wer nur begrenzten Google-Speicher hat, konnte nicht festlegen, welche App-Daten Vorrang haben sollen.
Gerade für technikaffine Nutzer, die mehrere Geräte betreiben, war das ein echter Schmerzpunkt. Wer sich schon einmal durch das manuelle Wiederherstellen von App-Daten nach einem Geräte- oder Firmware-Wechsel gekämpft hat, weiß, wovon die Rede ist.
Das neue flexible Backup: So funktioniert es – und wer es schon hat
Mit dem neuen System gibt Google Nutzern die Kontrolle zurück – allerdings zunächst nur einem Teil davon. Die Funktion wird über die Google Play-Dienste in den Versionen 26.24 und 26.25 verteilt und ist aktuell exklusiv auf Pixel-Geräten mit Android 16 oder Android 17 sichtbar. Auch das Nothing Phone (4a) Pro zeigt die Funktion im Rahmen eines Beta-Programms bereits. Bei Samsung- und anderen Android-Geräten war sie zuletzt noch nicht verfügbar – wie schnell sich das ändert, hängt vom serverseitigen Rollout ab, der in Wellen erfolgt. Wenn du wissen willst, ob dein Gerät zur ersten Welle gehört, findest du in unserer Übersicht zu Android 17 und den unterstützten Geräten weitere Details zum aktuellen Rollout-Stand.
Sobald die Funktion auf deinem Gerät verfügbar ist, findest du sie unter Einstellungen → Konten und Sicherung → Google-Backup → Weitere Gerätedaten. Dort erscheint ein neuer Bereich für App-Daten. Statt wie bisher nur eine pauschale Zahl samt Speichersumme aller Apps zu zeigen, listet Google jetzt die drei speicherintensivsten Apps direkt auf – den Rest erreichst du über „Mehr anzeigen“. Für jede App gibt es einen eigenen Schalter. Deaktivierst du das Backup für eine bestimmte App, löscht das System nicht nur künftige Uploads, sondern auch die bereits gesicherten Daten dieser App sofort aus deinem Google-Konto.
Eine Einschränkung bleibt bestehen: SMS und MMS, deine Anrufliste und die Geräteeinstellungen lassen sich weiterhin nicht separat ausschließen – diese Bereiche sichert Android weiterhin gebündelt.
Welche Daten werden gesichert?
Grundsätzlich gilt: Was gesichert werden kann, hängt davon ab, ob der App-Entwickler die entsprechende Backup-Schnittstelle implementiert hat. Apps, die diese API nicht nutzen, können auch mit dem neuen System nicht vollständig gesichert werden.
Was typischerweise gesichert wird:
- App-Einstellungen und Konfigurationen
- Spielfortschritte (sofern vom Entwickler freigegeben)
- Login-Tokens und Sitzungsdaten (in vielen Fällen)
- Benutzerdefinierte Layouts und Anpassungen
- Chatverläufe und Nachrichtendaten (je nach App)
Nicht im App-Backup enthalten sind in der Regel Medieninhalte wie Fotos und Videos – diese werden separat über Google Fotos gesichert – sowie Daten, die Apps bewusst ausschließen, etwa aus Sicherheitsgründen bei Banking-Apps.
Wichtig: Backup-Daten zählen jetzt aufs Speicherkontingent
Parallel zur neuen Auswahlmöglichkeit hat Google eine weitere, für dich noch relevantere Änderung eingeführt: Seit dem 7. Juli 2026 rechnet Google zusätzliche Sicherungsdaten – neben Fotos und Videos in Google Fotos künftig auch SMS- und MMS-Nachrichten, den Anrufverlauf, Geräteeinstellungen sowie App-Daten – auf dein Google-Speicherkontingent an. Google geht von durchschnittlich rund 40 MB zusätzlichem Speicherbedarf aus. Die Umstellung gilt zunächst für neue Nutzer der Backup-Funktion, bestehende Konten sollen in den kommenden Monaten folgen. Wie du dich darauf vorbereitest und wo du am meisten Speicher sparen kannst, erfährst du in unserem separaten Artikel zur neuen Speicherkontingent-Regelung.
Genau hier zahlt sich die neue App-genaue Auswahl aus: Wer gezielt Apps mit großen, aber verzichtbaren Backups deaktiviert, kann den zusätzlichen Speicherverbrauch spürbar reduzieren.
Warum das für Android-Nutzer ein echter Fortschritt ist
Besonders für drei Nutzergruppen ist das flexible Backup ein Gewinn:
1. Nutzer mit begrenztem Google-Speicher: Wer nur das kostenlose Google-One-Kontingent von 15 GB nutzt, das sich zwischen Gmail, Google Drive und der Gerätesicherung teilt, musste bisher oft schwierige Kompromisse eingehen. Mit der neuen Feinsteuerung lässt sich gezielt Speicher sparen, indem nur die Apps gesichert werden, deren Daten im Ernstfall wirklich fehlen würden.
2. Smartphone-Wechsler und Vielnutzer: Wer häufig das Gerät wechselt, profitiert von einer saubereren, gezielteren Wiederherstellung – statt eines langwierigen Restore-Prozesses, bei dem am Ende doch nicht alles korrekt wiederhergestellt ist.
3. Datenschutzbewusste Nutzer: Mit der granularen Kontrolle kannst du sensible Apps – etwa solche mit persönlichen Notizen, Gesundheitsdaten oder Kommunikation – gezielt vom Cloud-Backup ausschließen und stattdessen auf lokale Sicherungslösungen setzen.
Apropos Google-Dienste und ihre Integration in Android: Wer sich für weitere Sicherheits- und Notfallfunktionen interessiert, findet in unserem Beitrag zu Googles Notfall-App „Vertrauenswürdige Kontakte“ einen Überblick zu einer weiteren, tief ins Android-Ökosystem integrierten Funktion.
Was du jetzt tun kannst
Da der Rollout aktuell auf Pixel-Geräte mit Android 16/17 beschränkt ist, kannst du auf anderen Geräten noch nicht viel tun außer abzuwarten. Falls du ein Pixel besitzt, hilft Folgendes, damit du die Funktion möglichst früh bekommst:
- Google Play-Systemupdates aktuell halten (Einstellungen → Sicherheit → Google Play-Systemupdate)
- Die Google Play-Dienste sowie die Google-App aktuell halten
- Regelmäßig unter Einstellungen → Konten und Sicherung → Google-Backup → Weitere Gerätedaten nachschauen, ob die neue Oberfläche schon aktiv ist
Mehr Details zur offiziellen Backup-Funktion und was grundsätzlich gesichert wird, findest du auch direkt in der Android-Hilfe von Google.
Fazit: Ein überfälliges Upgrade – noch mit Einschränkungen
Das neue flexible Backup-System ist kein spektakuläres Feature, das auf der nächsten Google I/O groß präsentiert wird – aber es ist eines dieser stillen Updates, die den Android-Alltag spürbar verbessern können. Die Möglichkeit, Apps einzeln für die Datensicherung auszuwählen, gibt Nutzern endlich die Kontrolle, die sie schon lange verdienen. Aktuell profitieren davon vor allem Pixel-Besitzer, aber der stufenweise Rollout lässt erwarten, dass weitere Hersteller folgen. Kombiniert mit der neuen Anrechnung aufs Speicherkontingent lohnt es sich gerade jetzt, einen Blick in die eigenen Backup-Einstellungen zu werfen.
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