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LG Smart TV spioniert dich aus: Was Sicherheitsforscher herausgefunden haben

Dein LG-Fernseher schaut vielleicht genauso aufmerksam zurück, wie du auf ihn schaust – und hört dabei auch noch zu. Sicherheitsforscher haben in einer aufwendigen Untersuchung enthüllt, was LG Smart TVs im Hintergrund wirklich treiben. Die Ergebnisse sind alarmierend.

500 Arbeitsstunden und 70.000 Dollar für die Wahrheit

Hinter der Untersuchung steckt das US-amerikanische Portal Gamers Nexus, das gemeinsam mit IT-Experten mehrere LG-OLED-Fernseher unter die Lupe genommen hat, darunter das aktuelle Flaggschiff-Modell LG G5. Nach eigenen Angaben flossen mehr als 500 Arbeitsstunden und Kosten von über 70.000 US-Dollar in das Projekt – ein enormer Aufwand, der zeigt, wie ernst die Forscher das Thema nehmen.

Die Ergebnisse lassen aufhorchen: LG Smart TVs mit dem Betriebssystem WebOS sammeln systematisch Daten über ihre Nutzer, über deren Haushalt und über alle im Heimnetz verbundenen Geräte – und das offenbar auch dann, wenn der Bildschirm ausgeschaltet ist. Gamers Nexus bezeichnet das native Verhalten des Fernsehers als mit Malware vergleichbar.

Dein Fernseher kartiert dein gesamtes Heimnetz

Besonders brisant: Die getesteten LG-Geräte durchsuchen das lokale Netzwerk aktiv nach verbundenen Endgeräten. In einem Test erkannte ein einzelner Fernseher mindestens 38 verschiedene Geräte im Netzwerk – darunter Smartphones, Smartwatches, Drucker und sogar Teile der Gebäudetechnik. Bei einem angeschlossenen Computer registrierte das Gerät sogar, welche Software darauf lief: In diesem Fall die Fernwartungslösung TeamViewer.

Zusätzlich erfassen die Fernseher benachbarte WLAN-Netzwerke in der Umgebung. Diese Daten lassen sich zur präzisen Standortbestimmung nutzen – eine Technik, die eigentlich von Smartphones bekannt ist, aber offenbar auch in Smart TVs Einzug gehalten hat. Laut Gamers Nexus soll LG in B2B-Gesprächen offen kommuniziert haben, dass man jeden Haushalt und seine Mitglieder kenne – und wisse, wer vom Fernseher zum Smartphone wechselt.

Mikrofon aktiv im Standby – Sprache als Klartext in Log-Dateien

Noch beunruhigender ist der Befund zum eingebauten Mikrofon. Laut den Forschern bleibt es auch dann aktiv, wenn der Bildschirm dunkel ist. In Tests tauchten Spracheingaben als Klartext in Log-Dateien auf – darunter offenbar auch Gesprächsfetzen, die aufgezeichnet wurden, ohne dass der Nutzer das Gerät erneut aktiv angesprochen hatte. Fehlt die Internetverbindung, sollen die Audiodaten lokal zwischengespeichert und übertragen werden, sobald der Fernseher wieder online ist.

Unter optimalen Bedingungen soll das Mikrofon Sprache noch aus bis zu 21 Metern Entfernung erfasst haben. Das bedeutet: Selbst wer in einem anderen Zimmer spricht, könnte theoretisch von seinem Fernseher belauscht werden.

LG weist diese Vorwürfe zurück. Das Unternehmen erklärte, die Fernseher sammelten keine Umgebungsgespräche. Die Spracherkennung sei eine optionale Funktion, die Daten ausschließlich bei aktiver Nutzung verarbeite. Die Forscher sehen das anders – und die Logfiles scheinen ihnen recht zu geben.

Was ist ACR – und warum solltest du davon wissen?

Neben dem Mikrofon setzt LG auf eine Technologie namens Automatic Content Recognition, kurz ACR. Das Prinzip: Der Fernseher nimmt kurze Audio- und Bildschnipsel des gerade laufenden Inhalts auf und erzeugt daraus einen digitalen Fingerabdruck. Anhand riesiger Datenbanken lässt sich so exakt rekonstruieren, was du gerade schaust, spielst oder hörst.

Entscheidend: ACR funktioniert unabhängig davon, wie der Inhalt zugespielt wird. Egal ob über eine App des Fernsehers, einen Streaming-Dienst oder per HDMI-Anschluss – der Fingerabdruck wird in jedem Fall erstellt. Sogar wer eine Spielekonsole oder einen HDMI-Stick verwendet, ist nicht vor dem Tracking geschützt.

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Die Werbetochter des Konzerns, LG Ad Solutions, beschreibt ACR auf der eigenen Website ganz offen als Werkzeug zur Analyse des Sehverhaltens. Nach eigenen Angaben hat LG Ad Solutions Zugriff auf Daten von mehr als 363 Millionen Geräten allein in den USA. Durch das sogenannte WLAN-Fingerprinting kann die Werbetechnologie sogar andere Geräte im Haushalt ansprechen – wer beim Filmschauen am Smartphone tippt, könnte zur gleichen Sendung passende Werbung erhalten.

Sicherheitslücken in WebOS: Auch externe Angreifer können mithören

Als wäre das noch nicht genug, haben die Forscher zusätzlich Sicherheitslücken im LG-Betriebssystem WebOS entdeckt. Über diese Schwachstellen könnten Angreifer aus der Ferne Code auf dem Fernseher ausführen und gezielt auf das Mikrofon zugreifen. Details zu den genauen Angriffsvektoren wurden bewusst nicht veröffentlicht, da LG die Lücken noch nicht geschlossen hat.

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Das bedeutet im Klartext: Der Fernseher im Wohnzimmer könnte unter Umständen als verdecktes Abhörgerät missbraucht werden – nicht nur durch LG selbst, sondern durch externe Dritte. Die Sicherheitsexperten empfehlen deshalb, LG-Fernseher dauerhaft vom Heimnetzwerk zu trennen und Streaming über externe Geräte wie einen HDMI-Stick oder eine Spielekonsole abzuwickeln.

Nur LG? Weitere Hersteller sind als nächstes dran

ACR ist längst kein Alleinstellungsmerkmal von LG. Die Technologie ist im gesamten Smart-TV-Markt verbreitet und wird von zahlreichen Herstellern für Werbe- und Analysezwecke eingesetzt. Weltweit hat LG schätzungsweise 216 Millionen Smart TVs verkauft. Gamers Nexus kündigte bereits an, als nächstes Geräte von Samsung und dem US-Unternehmen Vizio untersuchen zu wollen.

Ob deren Systeme vergleichbare Tracking-Methoden oder Sicherheitslücken aufweisen, ist bislang unklar. Klar ist aber: Der Einzel-Verkauf eines Fernsehers ist für Hersteller längst nicht mehr das primäre Geschäftsmodell. In den USA übersteigen die Werbeeinnahmen über den gesamten Lebenszyklus eines Smart TVs bereits die Erlöse aus dem Hardwareverkauf. Das erklärt die aggressive Datensammlung – und macht weitere Enthüllungen wahrscheinlich.

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Was du jetzt tun kannst

Wenn du einen LG Smart TV besitzt, gibt es einige Maßnahmen, die du ergreifen kannst, um die Datenweitergabe zumindest einzuschränken:

  • ACR deaktivieren: In den Datenschutzeinstellungen von WebOS lässt sich die automatische Inhaltserkennung abschalten. Suche unter Einstellungen → Allgemein → Datenschutz nach der Option „Live Plus“ oder „Inhaltsempfehlungen“.
  • Spracherkennung ausschalten: Deaktiviere den Voice Assistant vollständig, wenn du ihn nicht nutzt. Damit verringerst du das Risiko, dass das Mikrofon ungewollt aktiv ist.
  • Werbedienste opt-out: Unter den Datenschutzoptionen findest du in der Regel einen Punkt zu interessenbasierter Werbung – diesen deaktivieren.
  • Netzwerkzugang einschränken: Wer es ernst meint mit dem Datenschutz, kann den Fernseher in einem separaten Netzwerksegment (VLAN) isolieren oder den Internetzugang über die Router-Einstellungen einschränken.
  • Streaming extern betreiben: Nutze für Streaming-Dienste externe Geräte statt der eingebauten Apps – das umgeht zumindest einen Teil des Trackings.

Die Erkenntnisse der Untersuchung zeigen deutlich: Ein Smart TV ist längst kein passives Empfangsgerät mehr. Wer sich dessen bewusst ist und die richtigen Einstellungen vornimmt, kann zumindest einen Teil der Überwachung eindämmen. Ob und wie LG auf die Vorwürfe reagiert und die WebOS-Sicherheitslücken schließt, bleibt abzuwarten.

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