Verkaufsstopp in Deutschland: Warum Acer und Asus derzeit keine PCs und Laptops mehr verkaufen dürfen
Ein schwerer Schlag für den deutschen Hardware-Markt: Die bekannten Computer-Hersteller Acer und Asus haben den Verkauf ihrer PCs und Notebooks in Deutschland vorerst eingestellt. Hintergrund ist ein weitreichendes Gerichtsurteil des Landgerichts München I, das aus einem langjährigen Patentstreit mit dem finnischen Telekommunikationsriesen Nokia resultiert.
Das Urteil: Patentverletzung bei Videotechnik
Am 22. Januar 2026 entschied die 7. Zivilkammer des Landgerichts München I, dass sowohl Acer als auch Asus Patentrechte von Nokia verletzt haben. Im Kern geht es um das europäische Patent EP2661892, das Technologien für den Videostandard H.265 (auch bekannt als HEVC – High Efficiency Video Coding) abdeckt. Da dieser Standard für die effiziente Komprimierung von Videos in modernen Anwendungen wie Streaming, Videokonferenzen und hochauflösender Medienwiedergabe essenziell ist, sind nahezu alle modernen PCs und Laptops der Hersteller betroffen.
Das Gericht kam zu dem Schluss, dass Acer und Asus nicht bereit waren, Lizenzen zu angemessenen Bedingungen (sogenannte FRAND-Bedingungen: Fair, Reasonable, and Non-Discriminatory) abzuschließen. Infolgedessen wurde ein Verkaufsverbot verhängt.
Die Folgen für Verbraucher
Die Auswirkungen sind bereits deutlich spürbar:
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Hersteller-Shops: Die offiziellen deutschen Online-Shops von Acer und Asus sind für den Verkauf von PCs und Notebooks gesperrt. Wer die Webseiten besucht, findet diese teilweise im „Wartungsmodus“ vor oder sieht ein stark eingeschränktes Sortiment, das nur noch Zubehör wie Monitore oder Peripheriegeräte umfasst.
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Lieferstopp: Es dürfen keine neuen Geräte mehr nach Deutschland importiert oder hier in Verkehr gebracht werden.
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Verfügbarkeit im Handel: Ein wichtiger Lichtblick für Kunden bleibt jedoch: Einzelhändler wie Amazon, MediaMarkt oder Saturn sind von dem Urteil nicht direkt betroffen. Sie dürfen ihre vorhandenen Lagerbestände weiterhin abverkaufen. Sobald diese Bestände jedoch erschöpft sind, wird es ohne eine Einigung zwischen den Parteien keinen Nachschub mehr geben.
Wie geht es weiter?
Sowohl Acer als auch Asus haben bereits signalisiert, dass sie das Urteil nicht kampflos hinnehmen wollen. Während Asus plant, rechtlich gegen die Entscheidung vorzugehen, prüft Acer Berichten zufolge sogar Gegenklagen. Nokia hingegen nutzt seine Strategie konsequent weiter, sein umfangreiches Patentportfolio nach dem Ausstieg aus dem Mobilfunkgeschäft zu monetarisieren. Ähnliche Konflikte gab es in der Vergangenheit bereits mit anderen Herstellern wie Oppo oder Vivo, was damals ebenfalls zu zeitweiligen Verkaufsstopps führte.
Für Konsumenten bedeutet dies: Wer aktuell ein spezifisches Modell von Acer oder Asus ins Auge gefasst hat, sollte zeitnah im freien Handel zugreifen, bevor die Bestände knapp werden. Ob und wann die Hersteller wieder direkt in Deutschland verkaufen dürfen, hängt nun von den weiteren Verhandlungen mit Nokia oder dem Ausgang der nächsten Instanzen ab.
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