Funkstörung legt Bahnverkehr deutschlandweit lahm
Eine bundesweite Funkstörung hat den Bahnverkehr in Deutschland am Abend des 23. Juni 2026 für mehrere Stunden praktisch komplett lahmgelegt. Auslöser war ein Ausfall des digitalen Bahnfunks GSM-R – eines Systems, ohne das aus Sicherheitsgründen kein Zug fahren darf. Was bislang über die Störung, ihre Folgen und mögliche Hintergründe bekannt ist.
Was ist passiert?
Am Dienstagabend kam der Zugverkehr der Deutschen Bahn in ganz Deutschland praktisch zum Stillstand. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass alle Züge wegen einer bundesweiten Funkstörung vorläufig an den Bahnhöfen zurückgehalten würden. Betroffen waren Fernverkehr, Regionalverkehr und in mehreren Städten auch S-Bahnen, unter anderem in München, wo sowohl die Stammstrecke als auch das gesamte Netz Einschränkungen meldeten. Auch private Bahnunternehmen wie metronom und Erixx informierten ihre Fahrgäste über die massiven Einschränkungen und rieten zunächst davon ab, Fahrten anzutreten.
Reisende berichteten in sozialen Netzwerken und gegenüber Medien, dass Züge auf offener Strecke oder kurz vor dem nächsten Bahnhof zum Stehen kamen. Auf Anzeigetafeln waren zwischenzeitlich Verspätungen von bis zu vier Stunden zu sehen. Gegen 23:15 Uhr gab es erste Entspannung: Die ersten Züge rollten wieder an, zunächst allerdings nur bis zum jeweils nächsten Bahnhof.
Ursache: Ausfall des digitalen Bahnfunks GSM-R
Laut Deutscher Bahn liegt der Störung ein Ausfall des digitalen Bahnfunks GSM-R zugrunde – jenem System, über das sich Leitstellen und Triebfahrzeugführer in Echtzeit austauschen und das auch sicherheitsrelevante Funktionen wie Zugsicherung und Notrufe abdeckt. Fällt GSM-R aus, müssen Züge aus Sicherheitsgründen am nächstgelegenen Bahnhof anhalten, da ohne funktionierenden Zugfunk kein gesicherter Betrieb möglich ist.
Zur eigentlichen Ursache äußerte sich Bahnchefin Evelyn Palla zunächst zurückhaltend: Das konkrete Problem, das zu der bundesweiten Störung geführt habe, sei zum Zeitpunkt der ersten Stellungnahmen noch nicht bekannt gewesen. Die Techniker der Bahn arbeiteten mit Hochdruck an einer Lösung. Eine offizielle Einordnung – etwa ob ein technischer Defekt, ein Stromausfall oder ein externer Eingriff vorlag – stand zunächst aus.
Kein Einzelfall: Schon mehrfach Ausfälle des Zugfunks
Es ist nicht das erste Mal, dass GSM-R-Probleme den Bahnverkehr lahmlegen. Bereits im Oktober 2022 fiel das System in weiten Teilen Norddeutschlands komplett aus, nachdem an zwei Stellen Glasfaserkabel des Funknetzes durchtrennt worden waren – ursprünglich wurde Sabotage vermutet, später stellte sich versuchter Kabeldiebstahl als Ursache heraus. Im September 2024 sorgte ein Stromausfall bei einem Energieversorger in der Mitte Deutschlands erneut für einen mehrstündigen Ausfall des digitalen Bahnfunks. Auch abseits des Zugfunks gerät die digitale Infrastruktur der Bahn immer wieder unter Druck, wie ein Cyberangriff auf die digitale Infrastruktur der Deutschen Bahn in der Vergangenheit gezeigt hat. Und auch andere kritische Netze sind nicht vor großflächigen Ausfällen sicher, wie frühere bundesweite Störungen im Mobilfunknetz gezeigt haben.
FRMCS soll GSM-R ablösen – aber erst schrittweise
Das aktuelle GSM-R-System basiert auf einem über 30 Jahre alten 2G-Mobilfunkstandard und gilt in der Fachwelt als störanfällig und technisch in die Jahre gekommen. Als Nachfolger ist das 5G-basierte FRMCS-Projekt der Digitalen Schiene Deutschland (Future Railway Mobile Communication System) vorgesehen, das höhere Zuverlässigkeit, mehr Bandbreite und niedrigere Latenzen bieten soll. Die Einführung erfolgt schrittweise über mehrere Jahre, da GSM-R und FRMCS während der Umstellung parallel betrieben werden müssen – ein vollständiger Ersatz wird voraussichtlich erst in den 2030er-Jahren erreicht.
Was du als Reisender jetzt tun kannst
Wer aktuell mit der Bahn unterwegs ist oder eine Fahrt plant, sollte sich vor Reiseantritt über die tagesaktuelle Lage informieren. Die Echtzeitfahrpläne der Deutschen Bahn in Google Maps sowie der DB Navigator zeigen Verspätungen und Ausfälle in der Regel zuverlässig an, sobald sich die Lage normalisiert hat. Bei größeren Störungslagen – etwa Unwetter, Stromausfällen oder großflächigen Netzausfällen – lohnt sich zusätzlich ein Blick in die Warn-App NINA, die auch über Verkehrswarnungen informiert. Wer mehrere Stunden am Bahnhof oder im stehenden Zug verbringt, sollte außerdem die Notfallfunktionen des eigenen Android-Smartphones kennen, um im Ernstfall schnell Hilfe rufen zu können.
Der bundesweite Stillstand zeigt erneut, wie verwundbar das deutsche Schienennetz bei Ausfällen des digitalen Bahnfunks ist. Bis FRMCS das in die Jahre gekommene GSM-R-System flächendeckend ablöst, kann im schlimmsten Fall ein einzelner technischer Defekt ausreichen, um den Zugverkehr in ganz Deutschland zum Erliegen zu bringen. Reisende sollten sich bei kurzfristigen Störungen stets über offizielle Kanäle wie bahn.de oder den DB Navigator informieren, bevor sie eine Fahrt antreten.
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